Marie Madeleine Noiseux

7. Juli – 3. August 2019

 

Eröffnung

Sonntag, 7. Juli 2019

Kurator

Stefan Kunze

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Bilder von Marie Madeleine Noiseux sind Zeugnisse einer eigenen Welt, die nicht nur schön ist

Die Erweiterung der Grenzen oder das Erweitern des belebten Bezirks sind Sehnsüchte des Menschen, die sich als Vorstellung in der Kunst wiederfinden lassen. Größer soll es werden, besser soll es sein und schöner natürlich. Diese Idee zieht sich durch die Geschichte des 20. Jahrhunderts und befeuert auch die Kunst, die Malerei seit dem 19. Jahrhundert sowieso.

Hinter diesem Ansinnen steckt die Hybris grenzenloser Erweiterbarkeit menschlicher Handlungsspielräume, neudeutsch: Projekte.

Befremdlich bei gleichzeitiger höchster Vertrautheit sind die Bilder von Marie Madeleine Noiseux. Die Bildsprache des Farbauftrags ist Malerei, nicht unähnlich dem, was wir hier vielleicht Karlsruher Schule nennen dürfen, trotzdem bleibt ein Unbehagen. Schön sind die Bilder und kalt; das meint nicht die Farbtemperatur sondern den Gesamteindruck aus Inhalt, Form und Farbe, konkret und realistisch sowie auf irritierende Art entgrenzend.

Man könnte die Bilder im Sinne einer kunstgeschichtlichen Kategorisierung Landschaften nennen, durchaus klassisch mit Staffagen. Das täuscht aber nicht über deren beunruhigende Andersartigkeit hinweg. Unsere Landschaften sind lieblich. Unsere meint Europa, und da wo die Europäer nach Übersee gingen um zu malen, sahen sie auch dort die Idylle.

Kanada, das zweitgrößte Land dieser Erde, hat 37 Millionen Einwohner und es liegt im Norden. Wenn wir hier, in Europa loslaufen, aufbrechen zu neuen Ufern, kommt am Horizont ein Arkadien oder wenigstens eine Wirtschaft, zur Einkehr oder zur Restauration. Wenn ich in Kanada einfach loslaufe erwartet mich der sichere Tod. Da ist nichts verbindliches, die Ausfahrt wird zur Expedition, das Abenteuer ist das mögliche Überleben.

Ein Teil dieser Erbarmungslosigkeit der Heimat Kanada liegt in den Bildern von MMN. Das ist nicht Alles. New York, Paris und Straßburg sind Stationen mit Einfluss, in summa sind wir im 21. Jahrhundert, wo das Leben sich verändert hat. Im hier und jetzt wollen wir auch diese Bilder sehen.

Die Tiere, so sie Zugtiere sind im Besonderen, sind stumme Begleiter unseres Leben die beredt von der Wärme der Existenz künden. Gerade in Wüsten ist das Lebendige das Wertvollste. Dies wieder zu entdecken erfordern diese Bilder.
Die Zugvögel künden von Freiheit, die immer auch Vogelfreiheit ist, Ausgesetztheit. Das fröhliche, mitunter überschwengliche Gezwitscher und Singen der Vögel wird nicht zuletzt gespeist vom erleichterten Glück, überlebt zu haben. Die Gefahr ist der ständige Begleiter. Nicht auf Messers Schneide ruht die Gefahr, sondern im Dunkeln der langen Nacht und in der Eiseskälte einer sturmgepeitschten Schneewüste wartet das Erfrieren. Es ist wie beim Schauen der Vögel: schön sind sie, aber auch unheimlich, der kalte Tod hägt dem Gefieder an.

Kurze Biographie